Unikat XVI - Penny Monogiou

 Mehr als Macht und Intrige? Die starken Frauen des Augustus. Eine künstlerische Intervention von Penny Monogiou anläßlich der Ausstellung im Bucerius Kunstforum Hamburg.

Die Frauen des römischen Reiches zwischen Augustus und Nero – dieses Korrespondenzprojekt der griechisch-zypriotischen Künstlerin Penny Monogiou stellt die Spiegelberger Stiftung der Herbstausstellung des Bucerius Kunst Forums gegenüber, die einen zentralen Aspekt antiker Bildkultur in den Blick nimmt: den regelrechten Bilderboom, der sich unter dem ersten römischen Kaiser Bahn bricht. Ebenso wie Teile der Ausstellung im Bucerius Kunst Forum setzt sich Monogious Intervention mit einer der spannendsten Fragen der Kunstgeschichte überhaupt auseinander: was kann, was soll, was will das Porträt?

Porträts besitzen eine vitale Kraft. Sie suggerieren, dem Dargestellten ähnlich zu sein, ihn uns ‚nahezubringen‘. Und tatsächlich tritt uns in ihnen bei aller Stilisierung und Inszenierung das Antlitz einer Person gegenüber. Die intensive Beschäftigung mit dem Porträt verbindet Monogious Arbeiten mit den vielen Porträts des ersten römischen Kaisers und der ersten römischen Kaiserin in der Ausstellung im Bucerius Kunst Forum.

Das Gesicht als kuratiertes Image der Kaiserin, das entspricht einem antiken Verständnis des Porträts als öffentlich präsentiertem Idealbild. Das Porträt als Spiegel der Seele, das ist ein modernes Verständnis und das zentrale Thema in Penny Monogious Malerei. Ihre verfremdeten, maskenartigen Porträts umkreisen unser aller Suche nach der eigenen Identität und hinterfragen klassische Schönheitsideale. Mit interkulturellem Blick und oftmals unter Bezug auf ihre griechischen Wurzeln und ihr Studium der klassischen Ikonenmalerei, erschafft Penny Monogiou Bildwelten, die sich zwischen Ästhetik und Aktivismus, zwischen Sarkasmus und Ernsthaftigkeit bewegen.

Wenn eine junge griechisch-zypriotische Künstlerin wie Penny Monogiou Frauengestalten der römischen Antike zwischen Augustus und Nero in den Blick nimmt, so lässt das auch aus einem anderen Grunde aufhorchen:

Griechenland und Rom, das ist ein sehr ambivalentes Verhältnis und doch auch zugleich ein antikes Beispiel von Interkulturalität: hier hat die Frage nach dem Eigenen und dem Fremden zu einer großen Symbiose geführt. Griechenland wurde politisch in das Imperium Romanum integriert, kulturell behielt es jedoch für Jahrhunderte eine führende Rolle.

Haben die Geschichtsschreibung und die moderne Geschichtswissenschaft vor lauter Kriegsgetümmel, vor lauter Blick auf männliche Macht und Medien die Frauen vergessen? Die Bedeutung der Frau in der römischen Gesellschaft hat derzeit Konjunktur und ist seit geraumer Zeit ein wichtiger Gegenstand der Forschung. Dass dabei die erste Frau im Staat, die Kaiserin, sowie die Prinzessinnen eine besondere Rolle spielen, versteht sich von selbst. Dennoch aber hat man den Eindruck eines Ungleichgewichts.

Die Porträtserie Monogious macht die ganze Problematik jeder Auseinandersetzung mit dem Bild der Frau am Hof des ersten Kaisers und des Frauenporträts in der Antike insgesamt schlagartig deutlich. Die Frauen am Hof des Augustus, seine Tochter, Enkelin und Urenkelin haben sich durchaus literarisch geäußert. Erhalten hat sich von diesen Selbstäusserungen allerdings nichts. Die mehr als schwierige und dürftige Quellenlage befördert stattdessen Stereotypen. Die Frauengeschichte der römischen Kaiserzeit ist ein von Klischees dominerter Blick, der an die Daily Soaps europäischer Königs- und Fürstenhöfe, aber auch an Kriminalgeschichten erinnert. Der Ruf Iulias und der beiden Agrippae wurde bereits von den Zeitgenossen strak diskreditiert. Was also hat es mit diesen Stereotypen auf sich, mit denen die antiken Geschichtsschreiber die Frauen am Hof des Augustus charakterisieren: Die Leichtlebige (Julia). Das Mannweib (Agrippina die Ältere). Die Herrschsüchtige (Agrippina die Jüngere)? Diese schlimmen Vorurteile der Nachwelt haben sich bis heute gehalten. Dabei waren die Frauen der Kaiserdynastie, zumindest partiell, durchaus selbstbewusste Rollenmodelle der Emanzipation.

Prof. Dr. Andreas Hoffmann.